m Jahr 1979 feiert die Galerie “Nuovo Spazio” ihr 10-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung, die fast alle Künstler zeigt, für die er sich bislang am meisten interessiert hat. Aus diesem Anlass erscheinen in den Zeitungen verschiedene Interviews, in denen er die Geschichte der Galerie rekonstruiert und die eigene Auffassung von den kulturellen Funktionen eines Händlers moderner Kunst umreißt. Er veröffentlicht eine Grafikmappe, in der Werke von Bortoluzzi, Korompay, Zigaina gesammelt sind, zusammen mit einer Einführung, die den Wert eines Manifestes über die von ihm für seine Arbeit angewandten Kriterien bekommt: Dieser Text von Chinese wird von vielen Künstlern und Intellektuellen getragen, die ihn gegenzeichnen und somit ausdrücklich Zeugnis geben über ihre Unterstützung der moralischen und kulturellen Ziele des Galeristen.

Chinese ist im Übrigen einer ihrer geschätzten Kollegen, mit dem viele von ihnen in verschiedenen Ausstellungen vertreten sind. Er wird mit der Aufgabe betraut, sie auf Kunstmessen zu vertreten, die nun auch in unserem Land immer mehr entstehen. Im Sommer, während er auf der Abreise zur Fiera di Levante ist, die bereits seit einigen Tagen läuft, erhält er die Nachricht, dass sein Bruder Renzo einen schweren Arbeitsunfall hat. Tief betroffen fährt er sofort zu seiner Familie nach Friaul, die nach dem plötzlichen Tod des Vaters vor einigen Wochen noch immer mitgenommen ist. Einen Moment der Ruhe erfährt er durch die Geburt seiner ersten Tochter. Diese Ereignisse werden von ihm in einer Art autobiographischem Band mit dem Titel “Io chi?” (Wer ich?) erzählt, der dann 1981 mit dem Verlag “Italia Letteraria” herausgegeben wird. Das wunderbare Vorwort stammt von seinem Freund Zigaina. Mit freier Seele beschreibt der Autor seine Existenz, die Ereignisse in der Vergangenheit, die Treffen und den Austausch mit den Künstlern, die Bestimmung mit in einem gewissen Sinn ausgewählten Personen in Symbiose zu leben, die von ihm aufgrund tiefer spiritueller Gleichklänge bewundert werden. Er beschäftigt sich intensiver mit der Malerei, aber er verzichtet nicht darauf, Ausstellungen von nationaler Resonanz zu organisieren, die von der Fachpresse positiv kommentiert werden. Er präsentiert einen Arbeitszyklus von 1943 bis 1976 von Zoran Music sowie eine Ausstellung moderner japanischer Künstler. Zur selben Zeit geht er seiner Leidenschaft für die Liebe zur Lagune nach, durch die er häufig auf einem kleinen Boot fährt. Hier findet er schließlich auch die Inspiration für die strahlenden Farbeffekte schillernder Spiegelungen, die er stimmungsvoll in die rhythmischen Geometrien von absoluter Räumlichkeit in die Darstellung zu bringen vermag. Er ist ständig auf Reisen, um Ausstellungen und Ateliers von Künstlern zu besuchen, mit denen er Beziehungen der Freundschaft und der Arbeit begründet, um Beziehungen zu den wichtigsten italienischen Sammlern zu knüpfen, um weitere Ausstellungen zu planen. Im Jahr 1985 stirbt seine Mutter, zu der er eine sehr starke Bindung hat. Dieser Lücke ist für ihn nicht schließbar, weil er versucht hat, sich an ihrem Beispiel zu orientieren und er ihr nacheifern wollte, aufgrund ihrer außerordentlichen menschlichen Eigenschaften, ihrer Feinfühligkeit und ihrer lebendigen Intelligenz. Im Jahr 1986 organisiert er im Rahmen der Ausstellung “Futurismo – Futuristi” (Futurismus – Futuristen) im Palazzo Grassi eine exzellente Anthologie von Tullio Crali, mit rund zweiundsechzig Bildern aus verschiedenen Zeiten, die eine breite Resonanz in italienischen und in internationalen Künstlerkreisen hervorruft. Mit demselben Interesse verfolgt er die Entwicklung einiger junger europäischer Künstler, die in ihrem Land beinahe unbekannt sind, aber die dank der durch ihn geförderten Ausstellungen bald die Möglichkeit haben, sich mit überraschenden Ergebnissen zu behaupten. Mit Großzügigkeit fühlt sich Chinese nun mehr der Unterstützung junger Künstler verpflichtet als sein eigenes künstlerisches Schaffen zu verbreiten. Eine Arbeit, die sich allerdings immer autonomer entwickelt hat und sich außerdem durch die Notwendigkeit des in den Mittelpunkt gestellten Experimentierens mit anderen Materialien auszeichnet, um die strenge Zweidimensionalität der Malfläche zu überwinden und plastische Lösungen von größerer konstruktiver Effizienz zu forcieren.